Video-Interview

Neal Stephenson spricht über „Anathem“

1. Können Sie kurz umreißen, worum es in Ihrem neuen Roman „Anathem“ geht?

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2. Angeregt wurde „Anathem“ durch Ihre Arbeit am „The Clock of the Long Now-Projekt der Long Now Foundation. Was war Ihre Aufgabe bei diesem Projekt und wie wurden Sie dadurch zu Ihrem Roman inspiriert?

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3. Vor „Anathem“ schrieben Sie die Barocktrilogie, die auf rund 3.000 Seiten ein Panorama des 17. Jahrhunderts entfaltet. Durch die Stammbäume der Protagonisten hatten Sie den Barockzyklus mit dem Vorgängerroman „Cryptonomicon“ verknüpft. Diese Linie wird in „Anathem“ nicht fortgesetzt, stattdessen vollziehen Sie einen radikalen Wechsel von Schauplatz und Personen. Gibt es für Sie dennoch Verbindungen, die vom Barockzyklus zu ihrem neuen Werk „Anathem“ führen?

4. „Anathem“ , so formulieren Sie es selbst in Ihrer Danksagung, „ist ein fiktiver Rahmen für die Beschäftigung mit Ideen, die den Köpfen großer Denker in Vergangenheit und Gegenwart entsprungen sind.“ Warum haben Sie die Handlung auf einen fremden Planeten versetzt, statt sie auf der Erde in ferner Zukunft - anzusiedeln? Wollten Sie dadurch die Ideen in den Vordergrund ihres Romans rücken und ihre Allgemeingültigkeit unterstreichen?

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5. Warum haben Sie für „Anathem“ eine eigene Sprache mit neuen Begriffen erfunden?

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6. Obwohl Arbre eindeutig nicht die Erde ist, fallen Parallelen ins Auge, die durch Ihre Wortneuschöpfungen noch betont werden. So gibt es dort Männer und Frauen, sogenannte „Fraas“ und „Suurs“, die in „Konzents“, in klosterähnlichen Gemeinschaften, ihr Leben der Wissenschaft und der Beschäftigung mit philosophischen Fragen widmen. Sie gelten als Bewahrer eines zeitlosen Erbes, das vor der Zerstörung durch die säkulare Welt geschützt werden muss. Sehen Sie hier auf der Erde - die Errungenschaften der traditionellen Wissenschaft und Philosophie in Gefahr?

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7. In „Anathem“ kommt es immer wieder zu spannungsreichen Begegnungen zwischen den Avots, den Bewohnern der Konzents, und den Säkularen. Dabei stellt die Hauptfigur, der achtzehnjährige Fra Erasmas, fest: „Ich war beeindruckt von ihrer Klugheit, ihrem Auftreten und den vielen Dingen, die sie besaßen. Aber es steckte nichts dahinter. Sie wussten über vieles Bescheid, aber hatten keine Ahnung, woher dieses Wissen kam. Und statt dass sie das verunsichert hätte, bestärkte sie es seltsamerweise in ihrem Glauben, Recht zu haben.“ Ist das nicht auch symptomatisch für unsere Wissensgesellschaft?

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8. Im Zusammenhang mit Anathem entstand ein außergewöhnliches anderes Projekt: Eine Musik-CD zum Buch, auf der acht experimentelle Gesangsstücke von David Stutz zu hören sind. Die Stücke tragen Titel wie „Approximating Pi“, „Cellular Automata“ und „Quantum Spin Network“, sie erinnern an spirituelle Mönchsgesänge aus unterschiedlichen Epochen und Kulturen. Können Sie uns etwas mehr über die Entstehung dieser CD und die Idee hinter dieser Musik erzählen?

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9. Wissenschaft ist eines der zentralen Themen Ihrer Romane. In Anathem erhült sie sogar einen quasi-religiösen Stellenwert. Welche Rolle spielt in Ihrem Leben die Beschäftigung mit Wissenschaft?

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10. Woran arbeiten Sie gegenwärtig? Schreiben Sie gerade ein neues Buch oder beschäftigen Sie sich zur Abwechslung mit etwas ganz anderem?

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Aufnahme vom Dezember 2009.
Die Fragen stellte Elke Kreil.

MANHATTAN GOLDMANN MANHATTAN GOLDMANN