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Mode und Architektur

Was war en vogue an den Königshäusern Europas, was trugen Madame und Monsieur zur gepuderten Perücke? In dieser Rubrik geben wir Ihnen einen kurzen Überblick über Mode, aber auch Architektur und gesellschaftliche Verhältnisse, die das Leben im Barock-Zeitalter bestimmten.


Mode des Barock: Im 17. Jh. (Barock) setzte sich zunehmend die französische Hofmode durch; der Reifrock wurde durch ein rundes Hüftpolster und mehrere Unterröcke ersetzt, der Rock faltig angereiht, ein von einem Spitzenstehkragen oder flachem Schulterkragen gerahmtes Dekolleté galt allgemein als modisch. Der Mann trug anfangs eine weite Schlumperhose und nach 1625, von Frankreich ausgehend, eine wadenlange, gerade, mäßig weite Röhrenhose, Stulpstiefel und ein kurzes Wams, das in der Rheingrafenmode (um 1655–1675/80) zu einem Bolero-artigen Jäckchen wurde, wodurch das Hemd mit Jabot und weißer Halsbinde, der Krawatte, stark hervorquoll. Dazu gehörten eine Rockhose, weiße Strümpfe mit Spitzenmanschetten und Absatzschuhe. Nach etwa 1680 trug der Herr für ein Jahrhundert den sich modisch nur leicht wandelnden, etwa knielangen Justaucorps, lange Weste, enge Kniehose, Culotte, weiße Strümpfe, um 1680–1715 ergänzt durch die Allongeperücke, danach durch weiß gepuderte Zopf- oder Haarbeutelperücke und Dreispitz. Die Frauenmode bestand 1685–1713 aus dem vorn offenen, nach rückwärts gerafften und über Bouffanten (Gesäßpolster) gebauschten Manteau, dem vorn sichtbaren, andersfarbigen Rock mit zuweilen einer Zierschürze darüber und der typischen Frisur à la Fontange. Zur Zeit des Régence (1715–1723) war ein lose herabfallendes Überkleid, die Adrienne, in Mode, gefolgt von dem runden Reifrock, der im Spätrokoko vorn und hinten abgeplattet und seitlich ausladend war, bedeckt von Rock und Manteau und ergänzt durch die weiß gepuderte Hochfrisur. Die bürgerliche Mode zeigte anliegende Schoßjacke und faltenreichen Rock mit Unterröcken.

Barockarchitektur: Die Kunst des Barocks fand ihren stärksten Ausdruck in der Architektur. Hauptaufgaben waren das vom Repräsentationswillen der weltlichen und geistlichen Fürsten bestimmte, von Parks umgebende Fürstenschloss, die durchgeplante, auf das Schloss ausgerichtete Stadtanlage und der als künstlerische Einheit gestaltete Kirchenbau. Die Barockkunst strebte nach dynamischer Wirkung durch Reichtum des plastischen und malerischen Schmucks, durch kühne, leidenschaftliche Bewegtheit. Bezeichnend sind ferner das Sich-Einfügen der Einzelelemente in das gesamte Kunstwerk, bewegte, oft aus flachen Kurven zusammengesetzte Grundrisse, unterbrochene Giebel, schraubenförmig gedrehte oder zu Gruppen zusammengefasste Säulen und Durchbrechung der architektonischen Struktur mit Mitteln der Malerei. Ausgehend von Werken der großen Meister der Spätrenaissance, entstand der Barockstil in Rom. Vignolas Kirche Il Gesù, eine Verbindung von Langschiff und zentralem Kuppelbau, wurde zum Vorbild für die Kirchenarchitektur des Barocks. Beispielhaft für den Schlossbau fast ganz Europas wurde das Königsschloss in Versailles.

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MANHATTAN GOLDMANN MANHATTAN GOLDMANN