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Gesellschaft

Hugenotten [vermutlich von französisch aignos, „Eidgenossen“], französische Protestanten meist calvinistischer Richtung, die während der Regierungszeit Heinrichs II. (1547–1559) vor allem im Adel Anhänger gewannen. Das katholische Königtum versuchte vergeblich, die Ausbreitung der Hugenotten zu unterbinden, an deren Spitze sich die Adelsfamilien Bourbon und Châtillon gestellt hatten. Die Regentin Katharina von Medici gewährte den Hugenotten 1562 Freiheit des Gottesdienstes außerhalb der Städte, um ihre eigene Stellung gegenüber den Herzögen von Guise zu festigen. Dies führte durch das Blutbad von Vassy (Niedermetzelung der Hugenottengemeinde) zum 1. Hugenottenkrieg, aus dem die Hugenotten gestärkt hervorgingen. Der von Ludwig von Condé inszenierte Überfall 1567, der den jungen Karl IX. in die Hände der Hugenotten bringen sollte und zum 2. Hugenottenkrieg führte, schadete dem Ansehen der Hugenotten im französischen Volk so, dass es zu keinem friedlichen Zusammenleben mehr kommen konnte. Mit deutsch-protestantischer Unterstützung gelang es Admiral G. de Coligny, nach dem 3. Hugenottenkrieg im Frieden von Saint-Germain-en-Laye volle Glaubensfreiheit und vier eigene Festungen auszuhandeln. Karl IX. schloss sich den Hugenotten an, berief Coligny zum Berater und verheiratete seine Schwester Margarete von Valois mit dem Hugenottenführer Heinrich von Navarra (dem späteren Heinrich IV.). Diese Machtstellung der Hugenotten wurde von der katholischen Partei, angeführt von Katharina von Medici, in der Bartholomäusnacht (23./24. 8. 1572) zerschlagen; in Paris und anschließend in der Provinz wurden 30.000 Hugenotten ermordet. Im 4. Hugenottenkrieg 1572/73 gelang es den Hugenotten, sich unter der Führung Heinrichs von Condé (* 1552, † 1588) zu behaupten, und nach dem 5. Hugenottenkrieg 1574 –1576 erlangten sie im Frieden von Beaulieu Freiheit des Gottesdienstes im ganzen Land mit Ausnahme von Paris und Mitspracherecht in den Parlamenten. In drei weiteren Kriegen (1577, 1580 und 1585–1589) mussten die Hugenotten gegen die vom Papst und von Spanien unterstützte katholische Liga unter Führung der Guise bestehen. 1598 gewährte Heinrich IV., inzwischen zum katholischen Glauben zurückgekehrt, im Edikt von Nantes den Hugenotten volle Gewissensfreiheit, eine straffe militärische und politische Organisation und 200 befestigte Plätze. Gegen Ludwig XIII. erhoben sich die Hugenotten 1620 erneut und verloren 1622 den größten Teil ihrer Festungen. Schließlich brach A. de Richelieu 1628 die politische und militärische Macht der Hugenotten nach dem Fall der Hauptfestung La Rochelle. Das Edikt von Nantes blieb nur für die Glaubensfreiheit bestehen. 1685 widerrief Ludwig XIV. auch das Edikt von Nantes und verbot den Hugenotten die Religionsausübung und die Auswanderung bei Todesstrafe. 200.000 Hugenotten gelang dennoch die Flucht in protestantische Länder, wo sie als Réfugiés gern aufgenommen wurden. Die in Frankreich verbliebenen Hugenotten zogen sich in die Cevennen zurück und lieferten dem französischen König 1702–1705 einen erbitterten Krieg (Aufstand der Kamisarden). Die Aufklärung verhalf den Hugenotten zu einer gerechteren Behandlung, Ludwig XVI. erließ 1787 ein Toleranzedikt, aber erst das Parlament der Republik gab den Hugenotten 1791 alle staatsbürgerlichen Rechte.

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MANHATTAN GOLDMANN MANHATTAN GOLDMANN