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Große Geister

Descartes [de′kart], René, latinisiert: Renatus Cartesius, * 1596, † 1650, französischer Philosoph, Mathematiker und Naturforscher. Begründer der neuzeitlichen Philosophie in Form eines strengen Rationalismus (Kartesianismus). Er suchte ein geschlossenes mechanistisches Weltsystem zu errichten. Descartes forderte das Zurückgehen auf die einfachsten Einsichten, die durch Intuition gewiss sind. Um die letzte Gewissheit zu erreichen, führt er eine Zweifelsbetrachtung durch: Alles bezweifelnd, bin ich mir doch meines Denkens, also meiner Existenz gewiss (cogito, ergo sum, »Ich denke, also bin ich«). Als Mathematiker begründete Descartes die analytische Geometrie.

Hooke [huk], Robert, * 1635, † 1703, engl. Naturforscher; fand das Hooke'sche Gesetz, wonach bei elastischen Stoffen die Deformation proportional der Krafteinwirkung ist; berechnete den Schwerpunkt der Erde; gilt als Entdecker der Pflanzenzelle.

Huygens [′hoeyxɘns], Huyghens, Christiaan, * 1629, † 1695, niederländischer Physiker, Mathematiker und Astronom; vertrat die Vorstellung von der Wellennatur des Lichts und stellte das Huygens'sche Prinzip auf, nach dem jeder Punkt einer Welle als Ausgangspunkt einer Kugelwelle aufgefasst werden kann; stellte ferner das Gesetz des elastischen Stoßes auf, erfand die Pendeluhr, begründete die Wahrscheinlichkeitsrechnung, stellte die Abplattung des Jupiter fest, erkannte (1656) die wahre Gestalt der Saturnringe und entdeckte den Saturnmond Titan.

Leibniz, Gottfried Wilhelm Freiherr von (1713), * 1646, † 1716, deutscher Philosoph und Wissenschaftler; entwickelte als letzter europäischer Universalgelehrter ein philosophisches Weltsystem, das Mathematik und Naturwissenschaften mit der Metaphysik verband. Mit ihm fand der Rationalismus, der die Vernunft zur Grundlage allen Wissens erhob, seinen Abschluss. In der Mathematik schuf Leibniz – unabhängig von Isaac Newton – die Grundlagen der Differenzial- und Integralrechnung. Daneben betätigte er sich als Naturforscher, Philologe, Historiker, Jurist und Theologe. Im Zentrum seiner Philosophie steht die Lehre von den Monaden, unzähligen geistigen Atomen, für Leibniz die Grundbausteine der materiellen Welt; sie bilden dank göttlicher Vorherbestimmung (prästabilierte Harmonie) ein harmonisches Ganzes. So konnte Leibniz erklären, dass die von Gott geschaffene Welt trotz Not, Krieg und Ungerechtigkeit die bestmögliche aller Welten sei, weil nur Gott selbst vollkommen ist. Seine philosophischen Thesen vertrat er u. a. in den Werken »Metaphysische Abhandlung« (1685), »Theodizee« (1710, 2 Bde.) und »Monadologie« (1714). Leibniz studierte in Leipzig und Jena Jura und Philosophie. Danach war er Rat beim kurfürstlichen Revisionsgericht in Mainz und unternahm diplomatische Reisen nach Paris und London. Ab 1676 stand Leibniz als Bibliothekar und Hofrat im Dienst des Herzogs Johann Friedrich von Braunschweig-Lüneburg in Hannover. 1700 regte Leibniz die Errichtung der späteren Preußischen Akademie der Wissenschaften an.

Newton [′nju:tɘn], Sir (ab 1705) Isaac, * 1643, † 1727, englischer Physiker, Mathematiker und Astronom; begründete die moderne Physik, insbesondere Mechanik und Optik, und leistete wesentliche Beiträge zur Weiterentwicklung der Mathematik. Newton gilt als einer der größten Wissenschaftler aller Zeiten. Das von ihm geprägte Weltbild hatte mehr als 200 Jahre Gültigkeit und erfuhr erst durch Einsteins Relativitätstheorie Anfang des 20. Jahrhunderts eine Änderung. Newton wurde 1669 Professor an der Universität Cambridge, die ihn 1689 als ihren Vertreter in das englische Parlament entsandte. 1699 wurde er Vorsteher der königlichen Münze und 1703–27 war er Präsident der Royal Society in London. Seine nach eigener Aussage intensivste Schaffensperiode war 1665–67. In dieser Zeit entwickelte er u.a. die Infinitesimalrechnung (»Fluxionsrechnung«, die fast gleichzeitig auch durch Gottfried Wilhelm Leibniz entdeckt wurde) und entdeckte das Gravitationsgesetz, nach dem sich alle Körper gegenseitig anziehen, egal, ob sie sich auf der Erde befinden oder im Weltraum – eine geradezu revolutionäre Idee, denn bis dahin galt die Lehrmeinung, dass im Himmel ganz eigene Gesetze herrschten. In seinem 1687 erschienenen Hauptwerk »Philosophiae naturalis principia mathematica«, kurz »Principia« genannt, fasste Newton seine physikalischen Erkenntnisse zusammen. Neben dem Gravitationsgesetz formulierte er u.a. die heute als Newton'sche Axiome bekannten Gesetze: Trägheitsgesetz, dynamisches Grundgesetz und Wechselwirkungsprinzip (actio = reactio). Damit war die moderne Physik geboren. Im Rahmen optischer Experimente entdeckte Newton die Dispersion und die Zerlegung des weißen Sonnenlichts durch ein lichtbrechendes Prisma in die Spektralfarben. Ferner untersuchte er Interferenzerscheinungen (Newton'sche Ringe). Diese Experimente beschrieb er – neben anderen – in dem 1704 erschienenen Werk »Opticks«.

Pascal, Blaise, * 1623, † 1662, französischer Mathematiker, Physiker und Philosoph; erfand eine Rechenmaschine, begründete u. a. die Wahrscheinlichkeitsrechnung und arbeitete über die Zahlenkombinatorik. Mit 26 Jahren gewann er Anschluss bei den Jansenisten von Port-Royal. Philosophisches Hauptwerk: »Pensées sur la religion« (posthum zuerst 1670). Ihm ging es um die Grenzen rationaler Erkenntnis, um das Recht intuitiver Gewissheit, um Gebrochenheit, Elend und Größe des Menschen und um die Absolutheit des Christentums.

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MANHATTAN GOLDMANN MANHATTAN GOLDMANN