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Kriege, Schlachten, Bündnisse

Es mag schrecklich klingen, aber der Krieg war ein wesentlicher Bestandteil im Leben der Menschen im Barockzeitalter. Kaum war der 30-jährige Krieg vorüber, verstrickte sich fast ganz Europa in neue bewaffnete Auseinandersetzungen. England, die Niederlande aber auch Russland, Polen und die Türkei – es schien, als habe sich die ganze damals bekannte Welt entschlossen, zu den Waffen zu greifen.


Spanischer Erbfolgekrieg, europäischer Krieg 1701–1714 nach dem Aussterben der spanischen Habsburger (Karl II., † 1. 11. 1700). Im Testament war Philipp von Anjou, Enkel Ludwigs XIV. von Frankreich, als Alleinerbe eingesetzt. Kaiser Leopold I. erhob Anspruch auf das ganze Erbe. Da Philipp nicht aus der französischen Erbfolge ausschied und deshalb eine bourbonische Hegemonie in Europa befürchtet wurde, kam am 7.9.1701 eine Allianz zwischen Österreich, Großbritannien und den Niederlanden, später auch Portugal zustande, an der das römisch-deutsche Reich beteiligt war. Auf französischer Seite kämpften Bayern, Kur-Köln und Savoyen. Nach dem von Prinz Eugen und Marlborough gemeinsam 1704 erfochtenen Sieg bei Höchstädt (Blenheim) war Bayern und damit die Bedrohung Österreichs ausgeschaltet. 1703 sagte sich Savoyen von Frankreich los. Nach dem gemeinsamen Sieg der Alliierten bei Turin (1706) musste Frankreich Italien räumen. Die Siege von Ramillies (1706), Oudenaarde (1708) und Malplaquet (1709) machten Ludwig XIV. friedensgeneigt. 1710 kam in England ein kriegsmüdes Tory-Ministerium an die Macht, das wie die Niederlande die Vereinigung eines habsburgischen Österreich und Spanien fürchtete; es schloss 1713 den Frieden von Utrecht (Holland, Portugal, Savoyen traten bei); Kaiser und Reich waren dadurch zum Frieden von Rastatt bzw. Baden (Schweiz) 1714 gezwungen. Großbritannien behielt Gibraltar (seit 1704) und Menorca. Frankreich musste in Nordamerika Neufundland, Neuschottland und die Hudsonbai an England abtreten. Philipp erhielt (als Philipp V.) Spanien, musste jedoch die Bedingung anerkennen, dass keine Vereinigung mit den französischen Bourbonen stattfinden dürfe. Der andere Prätendent Karl (Karl III. von Spanien) war inzwischen als Karl VI. in Wien Nachfolger Kaiser Josephs I. geworden. Die Spanischen Niederlande sowie die spanischen Besitzungen in Italien kamen an Österreich.

Türkenkriege, die Kriege europäischer Mächte, vor allem des Kaisers, Österreichs, Russlands, Polens sowie der südosteuropäischen Staaten und Venedigs, gegen das Osmanische Reich. Die Türkenkriege wurden von den Türken zunächst als Glaubenskriege zur Ausbreitung des Islams geführt, später mit eindeutig machtpolitischer Zielsetzung. Seit 1536 fanden die Türken einen starken Bundesgenossen in Frankreich, das dem habsburgischen Übergewicht in Europa durch dauernde militärische Beanspruchung Österreichs im Osten entgegenwirkte. Nachdem im 16., 17. und 18. Jahrhundert das Reich, Österreich, Ungarn und Polen die Hauptlast der Verteidigung Ost- und Südosteuropas gegen die angreifenden Türken getragen hatten, waren in der 2. Hälfte des 18. und im 19. Jahrhundert vorwiegend die Russen Kriegsgegner der Türkei, wobei es Russland vor allem um die Erzwingung der freien Durchfahrt durch die Meerengen ging. Mit der Eroberung Konstantinopels (1453) und dem Zusammenbruch des Byzantinischen Reichs schlossen die Türken die Eroberung des Balkans ab. Alle Versuche der Päpste, ein gemeinsames Vorgehen gegen die Türken zustande zu bringen, scheiterten. Doch blieben die Päpste die Initiatoren der Türkenkriege. Nach der Niederlage des ungarischen Königs Ludwig II. bei Mohács (1526) drangen die Türken 1529 bis Wien vor, das erfolgreich verteidigt wurde. Auch nach dem Seesieg der christlichen Staaten bei Lepanto (1571) waren die Türken in ihrer Machtposition nicht erschüttert. Auch Venedig konnte (1645–1671) trotz großer Erfolge keine Wendung herbeiführen. Im Frieden von Salona musste es 1671 Kreta, nachdem Zypern schon 1571 verloren gegangen war, an das Osmanische Reich abtreten. Einen ähnlichen Misserfolg erlitt Österreich im Türkenkrieg von 1662–1664. Obwohl R. Graf von Montecuccoli die Türken bei St. Gotthard an der Raab schlagen konnte, brachte der Friede von Eisenburg für die Österreicher den Verlust der Städte Großwardein und Neuhäusel. Polen errang zwar unter Johann III. Sobieski 1672–1687 militärische Erfolge, musste aber schließlich Podolien an das Osmanische Reich abtreten. Erste Erfolge der christlichen Staaten gegen das Osmanische Reich brachte der Große Türkenkrieg 1683–1699. 1683 standen die Türken vor Wien, das von Graf Starhemberg verteidigt wurde. Unter dem polnischen König Johann III. Sobieski besetzte ein aus kaiserlichen, bayerischen, sächsischen und polnischen Truppen bestehendes Heer nach dem Sieg am Kahlenberg (12. 9. 1683) Wien. Karl V. von Lothringen eroberte Ofen (1686) und siegte bei Mohács (1687); Belgrad wurde genommen (1688). Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden (der „Türkenlouis“) fiel in Bosnien und Serbien ein. Die Türken konnten jedoch Belgrad zurückerobern. Kriegsentscheidend wurde die Schlacht bei Zenta, in der Prinz Eugen von Savoyen das Heer Mustafas II. schlagen konnte (11. 9. 1697). Die Venezianer hatten 1685–1687 den Peloponnes erobert und die Akropolis von Athen zerstört. Den Polen war Zar Peter I. (der Große) zu Hilfe geeilt (1696); es gelang ihm, Asow zu gewinnen. Russland musste Asow jedoch 1711 wieder herausgeben, nachdem die Türken 1710 zur Unterstützung Karls XII. von Schweden in den Nordischen Krieg eingegriffen hatten. Ein türkischer Versuch, die großen Verluste rückgängig zu machen, war der Angriff auf den Peloponnes (1714). 1716 nahm der Kaiser auf der Seite Venedigs am Krieg teil. Nach dem Sieg bei Peterwardein (1716) durch Prinz Eugen und der erneuten Eroberung Belgrads (1717) endete der Krieg.

Dreißigjähriger Krieg, Sammelbezeichnung für mehrere Kriege in Europa von 1618 bis 1648. Der Begriff Dreißigjähriger Krieg ist zeitgenössisch und fasst das kriegerische Geschehen zwischen Prager Fenstersturz (1618) und Westfälischem Frieden (1648) zusammen. Sprach man im 17. und 18. Jahrhundert auch vom Teutschen Krieg, um den Raum zu charakterisieren, der millionenfachen Tod, Verwüstung und Barbarei erlitt, so deutet die neuere Geschichtsschreibung das Ganze als Krieg in Europa, weil sich in vielen Ländern Macht-, Religions- und Wirtschaftsprobleme gewaltsam entluden. Es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen in den Niederlanden, zwischen Polen und Schweden, Schweden und Dänemark, Frankreich und Spanien, aber auch in England, Süditalien oder auf der Iberischen Halbinsel.

Vorgeschichte und erste Kriegsphase: In Deutschland hatte der Augsburger Religionsfrieden 1555 den Glaubensstreit politisch geregelt. Während in Westeuropa Religions- und Bürgerkriege tobten, herrschte hier lange Frieden. Erst als sich die Protestanten von Kaiser Rudolf II. und der katholischen Gegenreformation in die Defensive gedrängt fühlten, begannen sie, das insbesondere auf den Reichstagen zwischen Kaiser und Ständen praktizierte Aushandeln einer gemeinsamen Politik zu blockieren. Die protestantische Union (1608) und die katholische Liga (1609) steuerten aber keinen direkten Konfrontationskurs. Ausgelöst wurde die erste Phase des Dreißigjährigen Krieges, der Böhmisch-Pfälzische Krieg 1618–1623, von den evangelischen Ständen im Königreich Böhmen, die gegen ihren habsburgischen Monarchen Ferdinand II. rebellierten, weil sie in dessen gegenreformatorischer Politik einen Verstoß gegen den Majestätsbrief Rudolfs II. sahen. Sie warfen zwei königliche Statthalter aus einem Fenster des Hradschins (Prager Fenstersturz, 23. Mai 1618) und wählten – in der Hoffnung auf die Unterstützung des protestantischen Europa – mit Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz einen neuen König (Aug. 1619). Ferdinand II. verständigte sich daraufhin mit Herzog Maximilian von Bayern, dem Haupt der Liga, auf die Rückeroberung Böhmens. Dafür sollte die Pfälzer Kurwürde an die bayerischen Wittelsbacher fallen. Die Schlacht am Weißen Berg bei Prag (8. Nov. 1620) endete mit einem triumphalen Sieg des Ligaheeres unter dem Grafen Tilly. Friedrich, der „Winterkönig“, floh ins niederländische Exil. Ferdinand II. übernahm erneut die Macht in Böhmen, ließ 27 „Rebellen“ hinrichten, veranlasste große Besitzumschichtungen und eine planmäßige Rekatholisierung. Der Krieg weitete sich aus, weil Maximilian von Bayern die Oberpfalz und schließlich Heidelberg (19. Sep. 1622) erobern ließ. Dabei wurden in den Schlachten bei Wimpfen (Mai 1622) und Höchst (Juni 1622) die protestantischen Heere besiegt. Kaiser Ferdinand II. machte Herzog Maximilian im Februar 1623 zum Kurfürsten, während er selbst im Reich die Gegenreformation fördern und seine monarchische Stellung ausbauen wollte. Die Armee der Liga zog nach Norden, siegt bei Stadtlohn (Aug. 1623) und zwang den Grafen Mansfeld 1624, sein Heer aufzulösen. Trotz des Krieges wurde zu dieser Zeit eine durch Münzverschlechterung hervorgerufene Inflation erfolgreich bekämpft – ein Indiz dafür, dass das Reichssystem auch in Krisenzeiten funktionieren konnte.

Niedersächsisch-Dänischer Krieg 1625–1629: Die massive Verschiebung der innerdeutschen Machtbalance zugunsten des Kaisers und der Katholiken rief 1625 die europäischen Mächte auf den Plan. König Christian IV. von Dänemark ließ sich zum niedersächsischen Kreisobristen wählen und ein Heer bewilligen. Seine Pläne durchkreuzte Albrecht von Wallenstein, der 1625 mit einer von ihm selbst finanzierten kaiserlichen Armee von etwa 24.000 Soldaten an der mittleren Elbe erschien. Ende des Jahres gehorchten ihm bereits 62.000, im folgenden Jahr über 100.000 Mann. Gegen Wallensteins Heer und die Ligaarmee unterlag der Dänenkönig bei Lutter am Barenberg, südlich von Braunschweig (August 1626). Christian IV. wurde nach Jütland abgedrängt und musste 1629 mit Wallenstein den Lübecker Frieden (22. Mai 1629) schließen: Die kaiserlich-katholischen Heere hatten nun keine Gegner mehr. Mit dem Restitutionsedikt (März 1629), das die sofortige Rückübertragung des nach 1552 säkularisierten Kirchengutes anordnete und die Calvinisten aus dem Religionsfrieden ausschloss, wollte der Kaiser die Protestanten schwächen, überging aber auch die Mitwirkungsrechte der katholischen Reichsstände. Die Bewahrung einer nichtmonarchischen Regierung des Reichs, seit dem 16. Jahrhundert popularisiert unter dem Stichwort der deutschen Freiheit, wurde daraufhin erneut zur verbindenden Klammer der Stände. Auf dem Regensburger Kurfürstentag 1630 erzwangen sie die Entlassung Wallensteins, den der Kaiser 1628 noch zum Herzog von Mecklenburg ernannt hatte.

Das Eingreifen Schwedens und Frankreichs: Die Festigung der Machtstellung des Kaisers in Norddeutschland, vor allem die Pläne zur Errichtung einer kaiserlichen Ostseeherrschaft, veranlasste nunmehr Gustav Adolf von Schweden zum Eingreifen (Schwedischer Krieg 1630–1635). Zur Sicherung des eigenen Anspruchs – die Ostsee als schwedisches Binnenmeer – musste er die gegenüberliegende deutsche Küste kontrollieren. Seine Intervention begründete er jedoch in erster Linie mit dem Schutz des evangelischen Glaubens. Sein Siegeszug begann, als Tilly im Sommer 1631 Magdeburg plündern ließ und beim Brand der Stadt etwa 20.000 Einwohner starben. Als Tilly danach mit Sachsen auch noch den treuesten evangelischen Verbündeten des Kaisers angriff, trieb er den Kurfürsten in die Arme Schwedens. Am 17. September 1631 unterlag das Ligaheer den beweglicher aufgestellten Truppen Gustav Adolfs bei Breitenfeld. Danach stieß der Schwedenkönig bis Mainz und im folgenden Jahr weiter nach Süddeutschland vor. Am 17. Mai 1632 zog er in München ein. Kaiser Ferdinand II. rief Wallenstein zurück. In der Schlacht bei Lützen (6. Nov. 1632) siegte und fiel Gustav Adolf. Axel Oxenstierna, sein Kanzler, brachte die evangelischen Stände Oberdeutschlands im Heilbronner Bund (1633) dazu, die schwedische Hegemonie zu akzeptieren.

Diese endete in der Schlacht bei Nördlingen (9. Sep. 1634), bei der Bernhard von Weimar und die Schweden eine vernichtende Niederlage erlitten. Da zuvor bereits der Ferdinand II. zu mächtig gewordene Wallenstein ermordet worden war, konnte der Kaiser den Prager Frieden (30. Mai 1635), dem sich die meisten Reichsstände anschlossen mehr oder weniger diktieren. Trotzdem stabilisierten sich die Verhältnisse nicht. Die Schweden waren nicht ausgeschaltet. Frankreich griff unter Richelieu offen in das Geschehen ein (Schwedisch-Französischer Krieg 1635–1648). Es stellte Bernhard von Weimar Mittel zur weiteren Kriegführung zur Verfügung. Wie der Landgraf von Hessen-Kassel opponierten etliche Stände gegen den kaiserlichen Machtzuwachs. Im Herbst 1636 siegten die Schweden gegen die kaiserlich-sächsische Armee bei Wittstock. Die letzten Phasen des Kriegs spielten sich vornehmlich in Süddeutschland gegen die Franzosen und in Böhmen gegen die Schweden ab. Deutschland war erschöpft. Kaiser Ferdinand III. musste auf dem Regensburger Reichstag (1641) und dem Frankfurter Deputationstag (bis 1645), vor allem aber nach der schweren Niederlage bei Jankau (6. März 1645) erkennen, dass der Prager Frieden nicht durchzusetzen war.

Friedensschluss und Kriegsfolgen: Da die Einsicht wuchs, dass die Konflikte nicht mehr auf dem Schlachtfeld zu lösen waren, wurden seit 1644 Friedensverhandlungen geführt. 148 Delegierte, darunter 37 ausländische Gesandte, vertraten in Münster bzw. Osnabrück einen Kaiser, mehrere Könige, viele Fürsten, Grafen, Republiken und Städte. Die Kosten der Verhandlungen werden auf ca. 3,2 Millionen Reichstaler geschätzt. In Osnabrück ging es vor allem um die Reichsverfassung, in Münster standen die europäischen Fragen im Mittelpunkt. Am 24.10.1648 konnte der Westfälische Friede verkündet werden. Aus konfessionellen Gegensätzen entstanden, zu einem Reichskrieg um die kaiserliche Stellung gegenüber den Ständen ausgeweitet, entwickelte sich der Krieg durch das Eingreifen Schwedens und Frankreichs zu einem auf deutschem Boden geführten Machtkampf um die europäische Stellung des Hauses Habsburg. Auf Kosten von Kaiser und Reich wurden die deutschen Territorialstaaten gestärkt. In Europa begann sich die Ära habsburgischer Vormacht ihrem Ende zuzuneigen; Frankreich trat das Erbe an. Für die Zeitgenossen markierte die gesellschaftliche und wirtschaftliche Katastrophe eine tiefe und lang nachwirkende Zäsur. Große Teile der Bevölkerung waren vom langen Krieg traumatisiert. Viele Menschen kannten „Frieden“ als allgemeinen Zustand nur noch aus Erzählungen. Zudem mussten sie ihre individuellen Erlebnisse und Schicksale – Vermögens- und Heimatverluste, Folterungen und Vergewaltigungen, Tod vieler Familienmitglieder und enger Verwandter – verarbeiten. Die Bevölkerung verringerte sich auf gut 60% des Vorkriegsstandes, die Sachwertverluste lagen noch höher. Am schwersten betroffen war ein Streifen von Pommern und Mecklenburg im Nordosten Deutschlands über Thüringen sowie Teile Hessens in der Mitte bis zu den kleinräumigen Gebieten im Südwesten. Erst nach drei Generationen war im Großen und Ganzen der alte Bevölkerungsstand wieder erreicht.

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MANHATTAN GOLDMANN MANHATTAN GOLDMANN